Wider | Spiegelungen
Peter Voigt stellt sie in seinem Werk immer wieder die Frage nach dem menschlichen Dasein und forscht nach Antworten im Bild des Menschen.
Seine Bilder zeugen über das individuelle Erleben hinaus von der Auseinandersetzung mit dem Menschsein im humanisten Sinn, mit Menschlichkeit und was sie ausmacht, um das Bemühen darum oder wie die Grenzen im Miteinander erreicht werden.
Voigt arbeitet kontinuierlich figürlich – Menschen, Köpfe, Hüllen, Schatten, auch anoyme körperliche Figuration – selbst in Zeiten, in denen die ‚malerische’ Malerei zu verschwinden scheint, von künstlerischen Tendenzen überlagert wird, die sich eher mit den Umwälzungen äußerer Lebenswirklichkeiten befassen.
Das Reflektieren der Identität im Spiegel des Gegenübers ist in den mehr als vier Jahrzehnten künstlerischen Schaffens ein durchgängiges Thema für Peter Voigt, das immer wieder durch die Bildoberfläche dringt. Diese Reflexionen im Bild werden erfahrbar in der Betrachtung, erschließen so unerkannt Bekanntes.
In der Vielzahl der Bildzyklen findet Peter Voigt eine ihm eigene Bildsprache, die sich in seiner immer unverkennbaren Strich- und Pinselführung ausdrückt. Malerisch wird das Pastose neben lasierte, auch gespachtelte Farbpartien gesetzt, durch den Duktus des Pinsels dann wieder akzentuiert. Sich flächig verdichtend, überlagernd, schichtend entsteht letztendlich das Körperhafte. Nicht bis ins Detail ausgemalt, partiell in der Malerei aufgehend, widersetzt es sich allerdings der augenscheinlichen Eindeutigkeit.
Die Figuren in den szenischen Bildräumen, gemalt mitunter mit ergreifend feinfühliger Ruppigkeit, in zugespitzter Gestik oder eigentümlicher Haltung, manchmal fast taumelnd oder tastend in einer geläufige Dimensionen leicht luxierenden Räumlichkeit, werden zu einer eigenen Bildwirklichkeit, die man sich, einmal gesehen, kaum mehr anders vorstellen kann.
Die letzte Bildserie Voigts, die nicht abgeschlossen, sondern abrupt durch den Tod abgebrochen wird, ist zudem von einer luziden Farbigkeit durchglüht.
Wie viele ungemalte Bilder gibt es wohl?
Stine Hollmann / Jessica Reintjes
Peter Voigt. Wider | Spiegelungen. Kunstverein Wolfenbüttel (Hg.), 2025, o. Sz.